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Mittelalterliche Festungen

Eine Vielzahl von Festungen aus dem Mittelalter ist auf bulgarischem Territorium bewahrt.

Die Festung „Tsarevets“

Die Festung „Tsarevets“ befindet sich in der malerischen Stadt Veliko Tarnovo. Sie war die bulgarische Hauptfestung zur Zeit des 2. bulgarischen Reiches (1185-1393). Die Hügelabhänge wurden derzeit mit Wohnungshäusern, Gewerbewerkstätten und zahlreichen Kirchen und Klöstern, welche in Stadtbezirken abgesondert wurden, bebaut. Bei Ausgrabungen wurden mehr als 400 Wohnungshäuser, über 22 Kirchen und 4 Klosterkomplexe entdeckt.

Die große und prachtvolle Festung „Tsarevets“ beeindruckt die Besucher. Die dicken Festungsmauern umgeben den historischen Hügel, und die hohen Felsen verwandeln es in eine natürliche, uneinnehmbare Festung. Man konnte einst in die Festung durch drei Eingänge eindringen. Auf dem westlichsten Hügelteil stand der Haupteingang. Davor lag eine Hebebrücke. Die Entfernung zwischen dem ersten und dem zweiten Tor war 18 m, die Entfernung zwischen dem zweiten und dritten – 45 m. Im mittleren Hügelteil befand sich der Schlosskomplex. Er stellt ein Architekturensemble dar, das von einer steinernen Innenmauer, Kampftürmen und 2 Eingängen im Norden und Süden umzäunt ist. Der Komplex schloss zu seiner Zeit einen Thronsaal, eine Schlosskirche und das königliche Schlafgemach ein.

Die Festung „Pliska“

In dem Zeitraum seit der Gründung des bulgarischen Staates im Jahre 681 bis 893 war diese Stadt ein Mittelpunkt der Politik, Militär, Kultur und Wirtschaft. Sie lag an einer Kreuzung in einer weiten hügeligen Gegend und wurde von starken Festungsmauern geschützt. Drei Schutzringe sollten die Stadt von eventuellen Angreifern beschützen. Der Außenring bestand aus tiefen Gräben, der zweite aus dicken Steinmauern, die eine Höhe bis 12 m erreichten, und der dritte hatte Tonziegelwände.

Die Forscher der altbulgarischen Hauptstadt bestimmten drei Etappen ihres Aufbaus. Das Schloss von Khan Krum gehört zu den bemerkenswertesten Denkmälern aus dem ersten Zeitabschnitt. Von Interesse sind die Geheimeingänge, wodurch seine Bewohner unbemerkt die Stadt verlassen konnten. Das Schloss verfügte über einen großen Wasserspeicher und über für die damalige Zeit sehr moderne Bäder. Der zweite Zeitabschnitt des Pliska-Aufbaus wird mit dem Namen von Khan Omurtag verbunden. Zu den Denkmälern aus der Zeit seiner Herrschaft zählen: die Festungsmauern, das sogenannte kleine Schloss mit den Wohnungen der Khanfamilie, die neuen Bäder mit einer komplizierten Heizungsanlage, zwei Heidentempel und die außerordentlich prächtig geschmückte Thronkammer. Der dritte Bauzeitabschnitt hinterließ der Geschichte frühorthodoxe Kultusgebäude mit beeindruckenden Ausmaßen. Das höchst bemerkenswerte Architekturdenkmal aus dieser Zeit ist die große Basilika. Sie war die größte christliche Kirche auf der Balkanhalbinsel.

In der Hauptstadt Pliska wurden die Bulgaren zum Christentum bekehrt.

Veliki Preslav

Die Stadt Veliki Preslav liegt am Fuße des Preslav-Gebirges. An diesem Ort begann Anfang des 9. Jhs. der Aufbau einer gut gefestigten Siedlung. Im ersten Jahrhundert ihres Bestehens wuchs die Stadt schnell. Sie wurde von einer starken Festungsmauer umzäunt, war mit Wasser versorgt und verfügte über eine gute Infrastruktur. Nach der Durchsetzung des Christentums als eine offizielle Religion, vorgenommen vom Fürsten Boris (im J. 864), wurde hier eine Vielzahl von Domen gebaut. Preslav wurde später zur 2. Hauptstadt des bulgarischen Reiches erklärt. Die Stadt erreichte ihre Blütezeit und verwandelte sich in einen Mittelpunkt nicht nur der Politik und der Diplomatie, sondern auch in einen Mittelpunkt mannigfaltigen Kunstgewerbes, bemerkenswerter architektonischer Errungenschaften, sowie aktiver Literatur- und Aufklärungstätigkeit.

Die Assen-Festung

Das, was den Besucher dieser Festung am stärksten beeindruckt, ist ihre Kompaktheit. Es ist erstaunlich, dass die kleine Stätte auf dem Gipfelfelsen, wo die Festung errichtet wurde, so optimal bebaut und dass alles hier architektonisch sparsam und pragmatisch eingerichtet ist.

Auf Grund der Lage der zerstörten Mauern kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass die Festung einst aus zwei Teilen bestand – einem oberen (zentralen) und einem äußeren Teil. Der zentrale Teil hatte eine Fläche von ca. 10.000 m2 und war unzugänglicher. Da stand der Hauptturm – ein viereckiges Gebäude aus nicht bearbeiteten Steinen, verbunden mit weißem Mörtel. Am Außenteil sind keine Gebäudereste zu bemerken. Vermutlich standen wirtschaftliche Gebäude und Kasernen dort, die einst von der tatsächlichen Festung durch eine zusätzliche Mauer getrennt waren.

Der best bewahrte Festungsteil ist die Kirche „Die heilige Gottesmutter aus Petrich“. Sie wurde im 20. Jahrhundert teilweise restauriert. Darin sind Wandmalereien aus dem 14. und 19. Jh. zu sehen.

Die Festung „Baba Vida“

„Baba Vida“ ist das einzige vollständig bewahrte mittelalterliche Schloss in Bulgarien. Es erhebt sich am Ufer der Donau im nordöstlichen Teil der Stadt Vidin. Seine Geschichte ist über 2000 Jahre alt. Die Festung ist quadratförmig und nimmt eine Fläche von 9.500 m2 ein. Um sie herum liegt ein Schutzgraben mit einer Breite von 12 m und einer Tiefe von 6 m.

Die Festung wird von zwei Mauern umgeben – einer Innen- und einer Außenmauer. Die Innenmauer ist hoch, 2,20 m stark und hat 9 Türmen, die Außenmauer ist niedriger. Zwischen den beiden Mauern wird ein Außenhof gebildet. Die von der Innenmauer umzäunte Fläche ist mit anliegenden Kuppelräumen bebaut. Das war der Wohnteil des Schlosses. Die Räume sind auf 2 Etagen gelegen. Der Zugang zur oberen Terrasse wird durch eine Wendeltreppe und eine Rampe zum Hochziehen der Geschütze, sowie durch Holztreppen in manchen Türmen gesichert.

Das Festungsschloss ist nur vom Norden zugänglich, wo auch der Eingangsturm steht. In der Vergangenheit gab es eine hölzerne Hebebrücke über dem Schutzgraben, der mit Wasser aus der Donau gefüllt wurde. Über den Eingansturm geht man in den ersten Innenhof. Im Mittelalter standen hier eine Kirche, ein massives Gebäude und ein zweiteiliger Fachwerkbau. Diese Gebäude wurden Ende des 17. Jhs. und Anfang des 18. Jhs. beim Aufbau von Lagerräumen und Wachstellen zerstört.

Die Festung von Shumen

Die Shumener Festung befindet sich 3 km weit vom Zentrum der Stadt Shumen entfernt. Sie ist sehr gut erhalten und ist das wichtigste historische und archäologische Denkmal in der Gegend. Laut den Archäologen wurde sie auf vier Plattformen in der Früh- und Spätantike aufgebaut, und im Mittelaltertum ausgebaut. Während der Überfälle der Awaren und Slawen wurde die Festung zerstört. Der bulgarische Khan Omurtag ließ sie später wiederaufbauen. Im 11. Jh. wurde sie von den Byzantinern eingenommen.

Die Festung ist eines der best erforschten archäologischen Objekte hierzulande. Die Festungs- und Kulturarchitektur, Wohn- und wirtschaftlichen Gebäude und Tausende von Denkmälern zeugen von ihren verschiedenartigen Funktionen in den verschiedenen Epochen, besonders zur Zeit des zweiten bulgarischen Reiches. Heute wird die Festung Shumen als ein Museum im Freien exponiert.

Die Festung „Kaleto“ bei Mezdra

Die Festung „Kaleto“ befindet sich unweit von Mezdra. Sie ist auf einem hohen Felsenmassiv gelegen, der dem Iskar-Flußbett hinüberhängt. Die Festung bewachte den Zugang zu den Pässen des Stara-Planina-Gebirges. Nördlich davon breitete sich eine Siedlung aus, auf deren Ruinen jetzt die moderne Stadt Mezdra errichtet ist. Hierdurch führte der Weg, der die römische Stadt Eskus mit Serdika verband.

Die Grundlagen der Kaleto-Festungsmauern liegen auf Überresten aus dem Chalkolithikum. Auf der römischen Festung wurde ein byzantinischer Abwehrstützpunkt aufgebaut. Die Festung wurde später mehrmals nachgebaut und erneuert. Jetzt sind auf dem unzugänglichen Felsenmassiv die Festungsmauern, errichtet im römischen, byzantinischen Zeitalter und im bulgarischen Mittelalter, zu sehen. Die archäologischen Ausgrabungen decken Überreste aus den verschiedenen Zeitperioden auf wie z. B. Wohnungen, Gegenstände, Teile des Straßennetzes. Die Gegenstände, die bei den archäologischen Forschungen aufgedeckt wurden, zeugen von dem Reichtum und der Prosperität der Bewohner der antiken Stadt.

Unlängst wurde ein Abwehrturm aus dem römischen Zeitalter aufgedeckt. Er wurde Mitte des 3. Jhs. zerstört, wobei die dort eingelagerten Nahrungsmittelvorräte auf dem Bodenniveau zugeschüttet wurden.

Die mittelalterliche Stadt Tscherven

Die mittelalterliche Stadt Tscherven befindet sich am rechten Ufer des Flusses Tscherni Lom, ca. 30 km weit von Russe. Die Festung wurde im 6. Jh. vom byzantinischen Kaiser Justinian 1. errichtet. Diese Länder wurden später von den Protobulgaren erobert. Im 13. Jh., zur Zeit des 2. Bulgarenreiches war die mittelalterliche Stadt eines der wichtigsten bulgarischen Militär-, Religions- und Wirtschaftszentren.

Tscherven besteht aus zwei Teilen – die tatsächliche Stadt und die Zitadelle. Die Zitadelle liegt auf dem höheren Teil des Berglandes. Da standen die Wohnungen der angesehenen Personen und die Kirchen. Von Interesse ist ein rechteckiger Turm, der vermutlich vierstöckig war. Vom Turm wurde die Hebebrücke herabgesetzt, die die Stadt mit der Zitadelle verband.

Tscherven wurde von den osmanischen Türken 1388 in Schutt und Asche gelegt. Heute können wir die Schlossruinen, einen Festungsmauerteil, den Turm, die Schießscharte, beide Pforten und die Kirchenfundamente sehen.